3. Friedenskirchengespräch

Bericht vom 3. Friedenskirchengespräch am 14.06.2019 mit dem Thema: „Gemeinsames Abendmahl? – Transsubstantiation oder Wandlung im Verständnis der Konfessionen“

Frieder Döring

Dr. Hubert Grunow hielt das Einführungsreferat zum Thema. Er holte dabei biblisch weit aus und berichtete historisch über die Entwicklung der Organisationsstruktur der Katholischen Kirche, stellte dann die unterschiedlichen theologischen Auffassungen bei den einzelnen Konfessionen deutlich vor und bedauerte, dass über die oft heftige Diskussion der Unterschiede das Wesentliche, die Einladung Christi zum gemeinsamen Mahl und die darin zum Ausdruck gebrachte Liebe zu uns Menschen, in Vergessenheit gerate. Mit dem Papstwort einer „Versöhnten Verschiedenheit“, indem er Martin Luther aufgreife, und mit Franziskus‘ stetigem Handeln in diese Richtung, zeigte er auf,  dass sich in der Katholischen Kirche eine Entwicklung abzeichnete und brachte dafür als Beispiel das Tauflied „Fest soll mein Taufbund immer stehen“, dessen neue Version nicht mehr die Kirche, sondern den Herrn selber als letzten Horizont zeige. Das sangen mit ihm alle gemeinsam.

Nach dieser schönen Einlage forderte Hubert Grunow jetzt als Moderator die Podiumsdiskutanten auf, eine Stellungnahme abzugeben, wobei Anja Karthäuser die unterschiedlichen Auffassungen der Katholischen Lehre und der verschiedenen Protestantischen Konfessionen noch mal herausstellte und beschrieb, dass die Vielfalt in den protestantische Richtungen heute kein Hindernis mehr sei für gemeinsame Gottesdienste und gemeinsames Abendmahl. Dr. Oliver Cremer machte deutlich, das nicht so sehr die Transsubstantiatons- Vorstellung  das Problem für die Katholische Kirche sei sondern der Unterschied in der Amtsvorstellung des Priesters oder Pfarrers. Die Katholische Kirche berufe sich auf die apostolische Sukzession der Priester, während die evangelischen Pfarrer als Amtsträger ihres kirchlichen Auftrages ordiniert würden, was sie für die Katholische Kirche nicht berechtige, das Sakrament auszuteilen. Stephan Müller-Döring berichtete über seine Tätigkeit als Restaurator und Historiker in einer evangelischen Gemeinde im Raume Frankfurt, und dass man dort 1817 bei der Hanauer Union zwischen Lutherischen und Reformierten bewusst die theologischen Streitthemen außen vor gelassen und man zum Beispiel den Lutherischen und den Heidelberger Katechismus in ein Buch zusammengebunden habe, weshalb diese Union auch als Buchbinder-Union bezeichnet wurde, und dass man seitdem gut miteinander auskomme. Ähnliches erzähle Frieder Döring von unserer Region, die nach der Reformation ein Flickenteppich von Lutherischen, Calvinischen und Katholischen Gemeinden war, und in der der Preußenkönig Friedrich III nach der Übernahme des Herzogtums Berg seit dem Wiener Kongress 1815 für Ordnung sorgte. Er gab den protestantischen Pfarrern eine Frist sich zu einigen, und als das bis 1834 nicht geschah, befahl er die Union von oben, machte sich zu deren Oberhaupt und wollte von den theologischen Unterschieden nichts mehr hören. Und dabei blieb es bis heute. Schließlich berichtete Wolfgang Bredenbrock ausführlich von seinem geistlich-emotionalen Verhältnis zur Eucharistie und zum Mysterium der Wandlung aus dem Erleben als praktizierendem Katholiken. Er betonte, dass er diese Sinnlichkeit und die Weihe in diesen Ritualen nicht missen möchte.

„Ist denn Christus zerteilt?“ Der Moderator bat jetzt das konfessionell  gemischte Publikum um seine Meinung, und es entspann sich eine sehr lebendige und lange Diskussion, in der viele Blessuren aufgezeigt wurden, die die konfessionsgetrennte Situation bereitet(e), aber vor allem die Sehnsucht der Christen nach Einheit der christlichen Konfessionen und nach einem Gemeinsamen Abendmahl zum Ausdruck kam. Diese Sehnsucht und die Hoffnung auf ihre Erfüllung unterstrich Hubert Grunow dann noch in einem Schlusswort und mit einem fragenden und zugleich Mut machenden Lied, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen: Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.

Nach den Dankes- und Abschiedsworten von Frieder Döring schlossen sich, wie jedes Mal, noch lange Gespräche in Grüppchen an, die zeigten, wie stark das Thema alle beschäftigte.