Abschied und Trauer
Ade sagen, Adieu, Tschö, Tschüss, Servus, Auf Wiedersehn, Ciao, Au revoir. Die moderne Hymne »Time to say goodbye« wünschen sich viele Angehörige zur Verabschiedung eines lieben Menschen. Es ist Zeit, mich zu verabschieden von dem geliebten Menschen, den ich gerne festhalten möchte, dessen Leib ich nicht der Erde oder dem Feuer übergeben will, wo’s mich graust. Doch meine Vernunft sagt mir: Es gibt keine Alternative. Als praktisch denkender Mensch kenne ich genau das Procedere. Ich weiß, wie diese Dinge ablaufen. Doch hinkt meine Seele noch hinterher! Vielleicht spurt sie noch bis zum Tag der Bestattung. Alles geht durcheinander.
Ich würde gerne das ein oder andere tun, aber ich traue mich nicht. Es scheint da ein Reglement für diese Tage zu geben, das sich mit oder ohne mein Zutun abspult. Geht es an mir vorbei? - oder bin ich da drin? Gestalte ich mit oder werde dazu eingeladen? Von wem? Habe ich die Stärke, meine eigenen Gedanken und Wünsche zu formulieren, einzubringen? Hält mich vielleicht jemand davon ab? Habe ich einen Überblick über die Trauerfeier und ihren Ablauf? Bin ich vorbereitet auf den Tag X? – und was kommt danach? Wie gehe ich mit meiner Trauer um – oder mit der Trauer meiner Familie, meines Partners? Wie bin ich eigentlich als Trauernde(r)? – Normal? Oder ausgeflippt, neurotisch, schizzophren, gefühlsgeschaukelt, eiskalt, emotionslos, heulend, wütend, zurückgezogen? Wie verhält man sich so als Trauernde? - Ich habe da gar keine Übung! Soll ich mich mit Beruhigungsmitteln voll stopfen (lassen)? Kann ich diese Wucht der Trauer überhaupt ertragen? Oder ignoriere ich das alles einfach und stelle mich taub?! Welche Erinnerungen kommen hoch? Was möchte ich meiner Lieben gerne noch sagen oder mitgeben? Wie soll – nach ihren und meinen Wünschen – diese spezielle Verabschiedung eigentlich aussehen? Kann ich doch stark sein? Woher hole ich mir diese Kraft?
Haben Sie Mut zu einer sehr persönlichen Verabschiedung!
Lassen Sie sich stärken und geben Sie Ihren Abschied nicht einfach aus der Hand! Mit einem guten Abschied gehen Sie auf alle Fälle besser in die anschließende Trauerzeit. Ich unterstütze Sie gerne!
Ein paar helfende Ideen? Welche Lieder mochte Ihr(e) liebe(r ) Verstorbene(r) gerne hören? Niemals geht man so ganz (Trude Herr), O, Danny boy (Londonderry Air), Heimweh noh Kölle, Green, green grass of home (Dean Martin) My way (F. Sinatra)… oder lieber Choräle: So nimm denn meine Hände. Ich bete an die Macht der Liebe. Panis angelicus. Sei stille dem Herrn, Arien von Bach o.a…. oder rockig: Who wants to live forever oder No one but you (Queen),Candle in the wind (Elton John), Tears in heaven (Eric Clapton) Lieder von Peter Maffay… oder klassisch: Es war als hätt’ der Himmel die Erde still geküsst (Mondnacht v. Eichendorff/ R. Schumann), Der Lindenbaum (aus der ‚Winterreise’ v. F. Schubert)… lieber Chanson: La mer, l’important c’est la rose(G.Bécaud), Mon dieu oder l’hymne à l’amour (Piaf)… oder Gospel: oder jahreszeitlich gehalten: z.B. passendes Volksliedgut, weihnachtliches Liedgut, herbstliche Lieder, Engellieder. Wählen sie aus einem großen Spektrum aus, auch Gedichte: Stufen (H.Hesse), Herr Ribeck von Ribeck im Havelland (Th. Fontane), Gedichte von Rilke, Goethe, Schiller, moderne Gedichte oder Kurztexte…
Möchten sie gerne eine ‚Lichtspur’ für Ihre Verstorbene anlegen – durch die Trauerhalle oder Kirche? Wäre eine thematische Aufbahrung nach Ihrem Geschmack? Für den großen Frankreichfreund gab es ein Stück Strand in Südfrankreich mit zwei gesägten Kieferstämmen und Kiefernzapfen, Sand, Muscheln, Kerzen im Sand, einer großen Laterne, Salzstein und vielen Teelichtern. Oder auch eine berufstypische Gestaltung? Beim Zimmermann wurden von ihm selbst angefertigte Prototypen von Dach- und Hauskonstruktionen im Altarraum der Kirche aufgestellt. In und auf diese Konstruktionen konnten die Trauergäste Teelichte stellen. Ein altes Bild auf einer Staffelei zeigte die Familientradition dieses Handwerks. Der Gottesdienst atmete in Liedern und Texten dieses biblische Handwerk…
Zur Ansprache: Sind sie eher philosophisch orientiert oder auch spirituell, religiös? Was ist der gedankliche Hintergrund Ihres lieben Verstorbenen gewesen? Ziehen Sie eine Symbol-Ansprache vor, in der die wichtigen Lebensstationen in Symbolen sprechen?
Tschö (À Dieu: Geh’ mit Gott!)
Wünschen Sie für das Begreifen Ihres Kindes einen integrierten kindgerechten Rede-/Lied-/Erzählpart? Begrüßen sie eine Gestaltung in den Farben Ihrer Wahl: z.B. gelb-weiß als Farben der Ewigkeit und des Lichtes in großen Tüchern, Blumen, Lichtern, Steinen, oder sind Sie selbst kreativ und möchten über den Sarg ein selbst entworfenes Batiktuch breiten?
Tschüss (À Jésus: Geh’ mit Jesus!)
Würden Sie den Leichnam lieber von Ihren Freund(inn)en zur letzten Ruhe tragen lassen? Favorisieren Sie eine individuelle Totenwache? Welche 'letzten Worte' sind für Sie passend? z.B.: Nun möchten wir NNs Leichnam zum Grab begleiten...? Ist es möglich, dass Ihre Familie und Ihre Freunde aktiv dabei sind? Wenn viele Menschen Ihres Umfelds Sie nicht nur -eher passiv- begleiten, sondern eine Lesung, ein Gedicht, einen Text vortragen, ein Gitarren-Solo übernehmen oder bei einer Symbolansprache ein Lebenssymbol einbringen und dessen Bedeutung/Bezug erklären..., sind Sie nicht einem blind sich abspulenden , kühlen Geschehen fremder Personen ausgeliefert, das Sie weder stoppen noch irgendwie anders beeinflussen können. Ihre Freund(inn)e(n) geben Ihnen Kraft und ein Bündel von Empathie für diesen schweren Schritt. Darauf können Sie sich verlassen!
Dr. Hubert Grunow, Ihr Begleiter
(Trauerredner und Mitgestalter Ihrer persönlichen Trauerzeit,
Konzert-Tenor, Theologe, Philosoph und Pädagoge, Lebensberater und Persönlichkeitsbildner)





